Somatic experiencIng

Der Psychologe und Biophysiker Peter Levine hat diese Form der körperorientierten Traumatherapie und Selbstregulation zusammen mit seinem Freund Stephen Porges in bzw. ab den 70ziger Jahren in den USA entwickelt, andere darin ausgebildet und weiterentwickelt.

Das besondere an Somatic Experiencing ist die Orientierung an biologischen Grundlagen.

Dadurch werden die vielen verschiedenen Traumafolgen und Symptome erklärt und so erklärt Peter Levine, warum sie sich mit herkömmlichen Therapien meist nicht oder nur zum Teil auflösen lassen, wenn die ursprünglichen Reaktionen auf ein Trauma nicht vollständig abgebaut werden können.

Meine dreijährige Ausbildung an der UTA-Akademie in Köln geht bis 2018. KursleiterInnen waren Doris Rotbauer und Raja Selvam. Ich bin Mitglied im Verein "Somatic Experiencing Deutschland" und halte über die Intervision und Regionalgruppe Kontakt zu vielen Kollegen und Kolleginnen.

Wesentliche Elemente:

  • In der Somatic Experience-Trauma Therapie (SE) geht es grade am Anfang immer um die Förderung und Stärkung der Ressourcen des Klienten, also dessen, was er bzw. sie gut kann und ihm bzw. ihr in Krisen und auch zur Alltagsbewältigung hilfreich ist, beruhigt und stabilisiert.
  • Somatic Experiencing arbeitet mit dem Wahrnehmen und Nachspühren von Körperempfindungen, Gefühlen, Bildern, Bewegungen bzw. Gesten oder Verhalten und Gedanken. Dies führt zu einer Selbstregulation. 
  • Wenn eine stabile, positiv und sicher empfundene Grundlage da ist, kann zu den problematischen Anteilen achtsam gependelt werden. Dieses Pendeln kann die Spielräume des Klienten erweitern und innere Blockaden sanft lösen.
  • Dahinter steht die Überzeugung, dass der Klient in seiner Selbstregulation gefördert wird, bis er dies wieder allein ohne Hilfe des Therapeuten tun kann.
  • Da das Tempo bei einem Trauma zu schnell für eine Verarbeitung bzw. Integration war, legt Somatic Experiencing großen Wert darauf, dass die therapeutische Arbeit auf das Tempo des Klienten Rücksicht nimmt und verlangsamt bzw.  in kleinen Schritten vorgegangen wird, damit es zu keiner Verstärkung traumatischer Inhalte und Reaktionen kommt. 
  • Da sich ein Trauma zu plötzlich für eine Verarbeitung ereignete, kommt es bei Somatic Experiencing darauf an, dass das Vorgehen in der Therapie für die Klientin verständlich ist bzw. erklärt wird.
  • Da ein Trauma den Klienten überwältigt und bei ihm das Gefühl hinterläßt, hilflos zu sein, ist die Selbstermächtigung des Klienten ein wichtiges Anliegen von Somatic Experiencing (SE). So wird die Klientin auch darin unterstützt, auf ihre eigenen Impulse zu achten bzw. sie ernst zu nehmen.
  • Die Klientin wird als Expertin ihrer eigenen Probleme bzw. Problemlösungsversuchen gewürdigt. Der Therapeut hat nur einen allgemeinen Wissens- bzw. Erfahrungsvorsprung bezüglich der therapeutischen Arbeit und steht daher nicht über dem Klienten sondern auf Augenhöhe.

Unterschiede zu anderen Therapeutischen Verfahren:

  • Die therapeutische Arbeit geschieht  in Somatic Experiencing zwischen Klient und Therapeut nicht von oben herab. Allzu starke  positive Übertragungen oder auch negative Projektionen auf den Therapeuten, die die therapeutische Beziehung in eine Schräglage bringen, werden nicht angestrebt, da sie für therapeutischen Prozeß meist nicht nötig sind. 
  • Ein Erbe unserer menschlichen Evolution ist die Fokussierung auf Bedrohungen und negative Gefühle wie Angst und Wut. Dies hat uns in früheren Zeiten vor gefährlichen Tieren, Feinden und Naturkatastrophen geschützt. Durch das erste international bekannt gewordene Buch von Peter Levine wurde der Tiger im SE das Symbol dafür. Aber in unserer heutigen Welt ist vieles anders. So wie es für uns nicht mehr gesund und hilfreich ist, große Mengen Fettreserven mit uns herumzutragen, so brauchen wir auch nicht unsere Ängste laufend zu aktivieren bzw. zu vergrößern.                   Neuere Forschungen in den Neurowissenschaften bestätigen jedoch, dass durch das immer wiederholte Reden über erschreckende Inhalte und das Wiedererleben von Traumata meist keine Heilung sonder eine Verstärkung angstbedingter Syptome auftritt.                           Deshalb verzichtet Somatic Experiencing (SE) darauf und benutzt statt dessen die oben aufgezählten Elemente, um Traumata auf sanfterem Wege im Nervensystem aufzulösen.

Biologische Orientierung:

Die durch ein traumatisches Ereignis aktivierten Reaktionen werden wesentlich vom Stammhirn gelenkt. Deswegen sind sie fast nicht durch Intellekt und Willen beeinflußbar. Darum können nach Peter Levine Therapiemethoden mit kognitiven Ansätzen oder auch durch Arbeit mit Emotionen schon zu Symptomverbesserung und zu mehr Kontrolle der Traumareaktionen führen, doch sie erreichen keine komplette Auflösung der Traumareaktion, einige Symptome und Störungen dauern an. Die biologische Reaktion verläuft nach einem ihr innewohnenden festen Ablaufsschema. Wenn dieser Ablauf nicht komplett so wieder durchlaufen wird in der Therapie bei der Auflösung, bleibt der Patient im traumatisierten Zustand. Wenn es jedoch gelingt, dieses natürliche Ablaufsschema in der Therapie ganz zu durchleben, kann der Organismus sich spontan und vollständig erholen.