Körpertherapie

Die Körpertherapie geht von der untrennbaren Einheit von Körper und Seele bzw. Psyche aus.  Alle seelischen bzw. psychischen Prozesse geschehen auf einer körperlichen Basis, so dass es sinnvoll und für eine erfolgreiche, nachhaltige Therapie auch notwendig ist, sich dem Körper zuzuwenden.

Neuere Forschungsergebnisse der Neurowissenschaften, die wir heute z.B. auch Gehirnskans verdanken, stützen diese zentrale Annahme der untrennbaren Wechselwirkung zwischen Körper und Geist.

Die Ursprünge der Körpertherapie Anfang des 20. Jahrhunderts gehen u.a. auf den Freud-Schüler Wilheim Reich und seine SchülerInnen wie z.B. Gerda Boyesen (Über den Körper die Seele heilen) zurück.

Seit 2010 gibt es an der Phillips-Universität Marburg einen Studienschwerpunkt "Körperpsychotherapie".

 

Körpertherapeutische Methoden

Körperorientierte Psychotherapie oder auch Tiefenpsychologische Körpertherapie ist ein integrativer Therapieansatz, in dem neben der Auseinandersetzung mit konkreten Lebensfragen im 'Hier und Jetzt' auch das Gewahrwerden von Körperempfindungen, Körperübungen und achtsame Berührungen zur Therapie bei Entwicklungstraumen eingesetzt werden können.

Ein Entwicklungstrauma entsteht meist aus wiederholten, sehr frühen Verletzungen oder Vernachlässigungen, die in der frühen Kindheit, während der Geburt oder noch davor, im Bauch der Mutter, geschehen sind.

Dies können z.B. Mangel- oder Gewalterfahrungen der Mutter während der Schwangerschaft sein oder sie sind Folge der Einnahme von Drogen oder Substanzen wie z.B. Schlaf- oder Schmerzmitteln.

Ein Entwicklungstrauma ist dem Bewußtsein in der Regel viel weniger zugänglich als ein späteres Trauma des Erwachsenen und es ist selten nur durch ein isoliertes Ereignis sondern eher durch verschiedene, länger andauernde Traumata entstanden. Dementsprechend benötigt es meist zur Heilung eine wesentlich längere und tiefer gehende therapeutische Arbeit, in der durch kontrollierte Regression auch frühe Anteile des 'inneren Kindes' zum Ausdruck kommen können.

Durch neue, unmittelbar positiv gefühlte Erfahrungen, z.B. 'gut genug' oder 'satt genug' zu sein, soll früheren negativen Erfahrungen etwas entgegengesetzt werden, was sie umformt. Sind sie transformiert, verlieren sie ihre Kraft, die Lebendigkeit  des Klienten wie 'Sand im Getriebe' zu stören.

 

Auch Phantasiereisen, Imaginations- und Transformationstechniken, die aus der Tiefenpsychologie nach C.G.Jung stammen, werden in der Körpertherapie benutzt.

 

Der Klient wird immer als Beziehungs-Wesen verstanden, dessen Beziehung zu sich, zu seinem Körper, seinen Mitmenschen und dem Therapeuten im Fokus des therapeutischen Prozesses steht. Es wird versucht, Projektionen und Übertragungen, welche eine Beziehung belasten, zu erkennen und möglichst auch aufzulösen.